13. Mai 2020

Swiss Finance Institute Webinar zu Negativzinsen in der Schweiz

Ein paar Kommentare zum Thema der Negativzinsen. Als Aufhänger dient uns das Webinar des Swiss Finance Institute zu eben diesem Thema.

Aufmerksam haben wir das spannende Webinar des Swiss Finance Institute zum Thema «Negativzinsen in der Schweiz» verfolgt. Wir danken dem Swiss Finance Institute für die Organisation und den Exponenten für das Teilen ihres Fachwissens.

Im Folgenden möchten wir auf ein paar Punkte eingehen:

-Die Vermeidung von Deflation wurde als Vorteil negativer Zinssätze genannt. Wir würden allerdings dagegen argumentieren, zumal Negativzinsen Kapital vernichtend sind, ein Umstand, der unserer Meinung nach klar für Deflation spricht.

-Potenziell drohende Inflation in absehbarer Zukunft sowie das Vorhandensein negativer Zinssätze wurden als Faktoren hervorgehoben, die durchaus einen positiven Effekt auf die Staatsfinanzen haben, da sie zur Verringerung der Gesamtverschuldung beitragen. Dies ist sicherlich richtig. Doch wagen wir die Frage zu stellen: Warum wird dieser Sachverhalt kaum jemals hinterfragt? Der Staat kann sich verschulden. Diese Verschuldung wird nicht bloss durch Negativzinsen verringert sonder auch weginflationiert und das alles auf dem Buckel von Privatinvestor und Bürger. Aus unserer Warte sieht dies zunehmend nach einem Ungleichgewicht zwischen Staat und Privatakteur aus. Der Bürger wird so immer mehr zum Diener des Staates, obschon es eigentlich genau anders herum sein sollte.

-Die Experten sprachen auch über die Auswirkungen der Negativzinsen auf die Finanzstabilität. Dabei wurde insbesondere die Gefahr erwähnt, wonach Investoren in risikoreichere Anlagen investieren würden, da diese unter dem Druck eines Anlagenotstandes auf ständiger Jagd nach Renditen seien. Auch diese Einschätzung trifft zu. Auch hier wagen wir jedoch die Frage zu stellen: Wie steht es um das tatsächliche Risiko von negativ verzinsten Staatsanleihen? Gewiss werden sie in der heutigen Finanzwelt als die risikofreie Anlage betrachtet. Doch muss das nicht ewig so bleiben: Sie fungieren solange als das risikofreie Vermögen, bis sie es nicht mehr tun. Wir möchten davor warnen, gerade dieses Risiko nicht zu unterschätzen. Für den Truthahn scheint alles in Ordnung zu sein – bis zum Tag vor Thanksgiving.

-Angesichts anhaltender Negativzinsen ist die Erwartung, dass das privates Sparen und Horten zunehmen wird. Was wir glauben, zwischen den Zeilen durchgehört zu haben, ist, dass dies eine schlechte Sache sei. Aus Sicht eines Volkswirt mag dies natürlich stimmen. Abermals gilt es aber auch hier eine grössere Perspektive einzunehmen: Zentralbanken auf der ganzen Welt haben sich in eine Negativzinsfalle manövriert. Das ganz grosse Problem unserer Zeit ist ein nicht nachhaltiges Währungssystem. Es ist ein System nicht einlösbarer, flexibler Nationalwährungen. Diese nationalen Währungen befinden sich in einem ständigen Entwertungskampf gegeneinander. Es ist ein Wettkampf, der dazu geführt hat, dass heute ein einäugiger König unter Blinden regiert: Der US-Dollar. Dessen schiere Dominanz hat die Welt wiederum in einen globalen Euro-Dollar-Standard gestürzt, der die Welt immer abhängiger von nur einer nicht einlösbaren nationalen Währung gemacht hat. Mit dieser Abhängigkeit hat die allgemeine Fragilität in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen.

Obwohl wir einige interessante Punkte aus dem Webinar mitnehmen können, müssen wir doch ernüchternd feststellen: Tiefere Tatsachen und fundamentale Probleme werden kaum jemals thematisiert. Das wäre allerdings umso wichtiger, dürften doch gerade diese tieferen Tatsachen und fundamentalen Probleme für Anomalien wie Negativzinsen verantwortlich sein. Wir von Schlossberg&Co haben es uns deshalb zur Priorität gemacht, die Augen vor diesen fundamentalen Problemen nicht zu verschliessen. Es ist unser Ziel, die tieferen Tatsachen zu studieren, um ein echtes Verständnis davon zu erhalten, wie die reale Welt funktioniert. Nur so glauben wir, unseren Kunden auch tatsächlich langfristig echten Mehrwert liefern zu können.

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